Chronik

Die Anfänge des Wipperfürther Luftsportvereins reichen nachweisbar bis auf das Jahr 1928 zurück. Offizielles Gründungsjahr war 1930 mit 24 eingetragenen Mitgliedern, darunter die erst in den letzten Jahren verstorbenen Paul Hilger, Willi Luttmann und Karl Niederwipper. Bereits im Jahr 1930 wurde eine Flugwerbeveranstaltung in Oberröttenscheid durchgeführt mit einer gemischten Staffel Läufer, Reiter, Motorradfahrer und Flieger. 1930-1931 wurde in einer Werkstatt, wo heute das Geschäftshaus Höfer steht, ein Segelflugzeug gebaut, Typ Zögling. Das richtige Fliegen begann mit dem fertiggestellten Flugzeug an den Hängen am Hohenstein, am Düsterohl, in Agathaberg und in der Breun. Bereits 1932 – 1933 errichtete man in Agathaberg eine geräumige Halle, mit 100 % Eigenleistung, in der mehrere Flugzeuge Platz hatten.


Halle Agathaberg mit Zögling (Foto Manfred Kern, Waldbröl)

Mit den noch recht primitiven Flugzeugen konnten an den besagten Hängen nur Flüge von nicht mehr als 2 Minuten Dauer erreicht werden. Einen besseren Platz fand man 1934 in der Breun bei Hartegasse, an dem man schon Hangflüge von 30 Minuten erreichte. Der Flugzeugbau verlagerte sich von der Unteren Straße in die Gaulstraße in die heutigen Werkräume der Fa. Volkenrath.

Nachdem sich Herr Dr. Kersting von der Fa. Radium sehr für den Segelflugzeugbau interessierte, begann die Wende im Vereinsleben. In einer gut eingerichteten Werkstatt in der Fa. Radium konnten Leistungsflugzeuge gebaut werden, z. B. eine Konstruktion von Wolf Hirth, der „Wolf‘, eine Hütter 17 und nochmal eine „Wolf‘. Geflogen wurden die Flugzeuge auf dem Dümpel bei Bergneustadt, ein ideales Gelände, an dem Flüge von 5 Stunden Dauer keine Seltenheit blieben. Am Abend eines jeden Wochentages wurde ein Arbeitsdienst eingerichtet, d. h. es wurden Gruppen eingeteilt, die sich abwechselnd in der Woche in der modernen Werkstatt trafen und unter Aufsicht immer neue Segelflugzeuge oder Hänger, Rückholwinden und sonstiges Inventar bauten. Nach dem Motto, welches auch heute noch gilt: „Vor dem Erfolg – Fliegen – haben die Götter den Schweiß gesetzt“.

BaubeginnHallenDamals waren für Flüge, mit Gummiseil gestartet, mit einer Dauer von 20 – 30 Sekunden etwa 30 – 40 Arbeitsstunden zu leisten. Schon damals veranstaltete der Verein jährlich ein Ferienlager in Nierzenheim (Westerwald), 1939 in Wissel. Ab 1943 untersagte die damalige Reichsluftfahrtbehörde das Sportfliegen und bis 1951 ruhten die Aktivitäten.

Am 20. Juli 1951 lebte der Luftsportverein wieder auf, mit 31 Mitgliedern und einem neu gewählten Vorstand. Am 20. Juli 1952 erteilten die Alliierten den deutschen Fliegern die Erlaubnis zum Segelflug. Damit begann der große Aufbruch nach dem Kriege. Mit dem 1. Segelflugzeug, gestiftet von der Fa. A. Müller wurden in Bonn-Hangelar die ersten Segelflugscheine erneuert. Der 1. Großflugtag in Wipperfürth wurde am 20. Juni 1954 auf dem Gelände „auf dem Sonnenschein“ durchgeführt. Durch Regierungspräsident Dr. Warsch konnte das erste Nachkriegssegelflugzeug auf den Namen „Wipperfürth I‘ getauft werden. 1956 wurde der jetzige Verkehrslandeplatz mit einem neu erworbenen Motorflugzeug in Betrieb genommen.

zlinIm gleichen Jahr errichteten die Vereinsmitglieder die 1. Flugzeughalle, aus einer alten Wehrmachtsbaracke entstanden. Zügig ging die Entwicklung weiter – 1957 wurde ein neues Segelflugzeug, eine „Ka 7“ angeschafft, gleichzeitig eine Winde „System Röder“ gekauft. Ab jetzt konnten Segel- und Motorflug in Wipperfürth durchgeführt werden. 1958 wurde die Bergische Schulfluggemeinschaft gegründet und mit Genehmigung des Regierungspräsidenten Düsseldorf konnten im 1. Jahr 17 Schüler ihren Motorflugschein erwerben. Im Herbst 1958 wurde ein 2. Motorflugzeug angeschafft, eine Zlin 381. Auch wurde eine 2. Halle errichtet, in der die Fa. Müller 2 Flugzeuge unterstellte. 1959 war das Jahr der Rückschläge. Am 17. Juni machte das einzige Segelflugzeug eine Bruchlandung mit Totalschaden. Am 10. Oktober stürzte das Flugzeug Zlin 381 am Ommerkreuz ab, wir hatten 2 Tote zu beklagen. Auf Grund dieser tragischen Unfälle stand am 24.06.1959 in der Bergischen Landeszeitung „die Stadt Wipperfürth hilft den Fliegern“. Einstimmig wurden vom Stadtrat auf Empfehlung von Stadtdirektor Kaupen DM 1.000,– zur Verfügung gestellt. Im Februar 1960 konnte ein neues Segelflugzeug auf den Namen des Förderers des Vereins, Dr. Kersting getauft werden. Von 1960 an wuchs der Verein, die Zahl der Mitglieder nahm zu, der Flugplatz wurde vergrößert. Als 3. Motorflugzeug wurde eine Jodel gekauft, welche durch Bürgermeister Hakenbruch auf den Namen „Hückeswagen“ getauft wurde.

Ein massiver Hallenabschnitt mit Werkstattraum, Aufenthaltsraum und Flugleiterraum konnte fertiggestellt werden. 1961 und 1963 nahmen Wipperfürther Flieger am Deutschlandflug teil. 1963 wurde ein Flugzeug Typ PA 18/150 PS angeschafft. 1964 wurde der Platz eingeebnet und auf die heutige Länge ausgebaut. 1967, anläßlich der Feier „750 Jahre Stadtrechte Wipperfürth“, flogen erstmals die Deutschlandflieger nach Wipperfürth. Die Vereinsdamen erhielten eine Auszeichnung für den besten Service im Deutschlandflug 1967. Auch wurde ein Sternflug als Beitrag des LSV zu den Feierlichkeiten der Stadt organisiert. Der Verein vergrößerte seinen Flugzeugpark mit einer 4-sitzigen Morane und die Segelflieger erhielten eine Ka-8. 1968 organisierte Hans Wurth erstmals den noch heute stattfindenden Wandertag. 1969 wurde der Platz so erweitert, daß eine 2. Startbahn für den Segelflug errichtet und in Betrieb genommen wurde. Der Bergische Luftsportverein aus Bergisch Gladbach wurde als Gastverein mit seinen Segelflugzeugen aufgenommen. 1970 wurde mit dem Bau einer neuen Halle für die Unterstellung von Flugzeugen sowie Heizungs- und Werkstattraum begonnen und 1971 in Betrieb genommen. 1972 fanden die Flieger aus Remscheid Aufnahme am Flugplatz. Noch bevor es Reklamationen wegen Fluglärm gab, wurde freiwillig die Platzrunde so verlegt, daß Hückeswagen, Wipperfürth und die Talsperren nicht mehr überflogen werden. 1972 war Wipperfürth Anflugplatz des „Fly in“ des DAEC. Es wurden über 100 anfliegende Flugzeuge gezählt. 1973 wurde eine moderne Tankanlage mit 25 cbm Tankraum installiert. Den Segelfliegern wurde ein Traum erfüllt, sie erhielten einen GFK-Hochleistungssegler. 1975 trat der Luftsportverein dem Stadtsportverband bei, um seine Interessen besser zu vertreten. Noch heute ist er einer der wenigen Vereine, der Sportgelände und Sportgeräte selbst finanziert, verwaltet und instandhält. Die Modellflieger erhielten auf dem Privatgelände des Fliegerkameraden Dellweg einen Modellflugplatz mit behördlicher Genehmigung. In 1976 – 1977 wurden große Bauvorhaben begonnen. 1978 konnte das Richtfest nach Montage des Towers und des Abfertigungsgebäudes gefeiert werden. 1978 stattete der Kreistag einen Besuch ab. 73 Mitglieder des Kreistages und der Verwaltung wurden mit Flugzeugen des LSV-Wipperfürth zu Rundflügen über Wipperfürth mit viel Begeisterung eingeladen. Am 13. Juni 1979 wurde Regierungspräsident Dr. Antwerpes mit einem Flugzeug des LSV Wipperfürth von Köln nach Wipperfürth geflogen. Ferner konnten 30 Beamte seines Ressorts aus der Luft Straßenführungen, Kanalbauprojekte und die dörflichen Zentren in Augenschein nehmen. 1980 wurde das 50-jährige Vereinsjubiläum ganz groß gefeiert. Nach dem Empfang des Präsidialrates durch die Stadt Wipperfürth am 11. April fand am 12. April nach der Jahreshauptversammlung des Landesverbandes der große Jubiläumsfliegerball mit der Big-Band der Luftwaffe aus Hamburg statt. Am 30. August war ein „Tag der offenen Tür“ mit riesigem Publikumsandrang. Ein „Fly-in“ nach Wipperfürth am 6. September rundet die Feierlichkeiten ab.

Im Jubiläumsjahr 1980 wurden 2297 Starts im Segelflug und 3044 Starts im Motorflug der Vereinsflugzeuge registriert, insgesamt, mit Fremdflugzeugen, 7249 Starts. Im Juni 1983 war der Kreisentwicklungs-Ausschuß zu Besuch am Verkehrslandeplatz. Die Teilnehmer konnten in einem Rundflug die Schönheiten von Wipperfürth und Umgebung kennenlernen. 1986 wurde eine „IG-Fluglärm“ der Anwohner gegründet, die um die Einschränkung des Flugbetriebs kämpfen. In Besprechungen unter Teilnahme von Bürgermeister Kausemann, Stadtdirektor Dr. Kirch und den Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat wurden mehrfach Gespräche mit der „IG-Fluglärm“ geführt. Ziel des Vereins ist und bleibt die Erhaltung der für die gesamte Bevölkerung und den Umkreis attraktiven Sportart mit Schwerpunkt Jugendarbeit, Freizeitbeschäftigung für alle und die Nutzung als Verkehrslandeplatz für die einheimische Industrie. Ein gutes Zusammenleben mit den Neye-Bewohnern unter Berücksichtigung beider Interessen im gesetzlichen Rahmen bleibt vorrangige Aufgabe. Zur Lärmminderung wurden die Vereinsflugzeuge mit Nachschalldämpfern ausgerüstet. 1987 wurde der Vorsitzende des Vereins, Herr Johann Schneider, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, vorwiegend für Verdienste im Vereinsleben. 1988 wurde die Luftbrücke der Partnerstädte Wipperfürth – Sûrgères eröffnet. Die Flieger Brandani, Schneider und Steller mit Reporter Antweiler wurden nach einem Flug von Wipperfürth über Troyes in La Rochelle vom Bürgermeister Stranger und Abordnungen der Stadt herzlich begrüßt. In einem Festakt am 18. März 1988 wurden durch den Leiter des Grenzschutzamtes Aachen die Bestallungsurkunden an die Hilfspolizisten Willi Cox, Erich Mock, Georg Müller und Armin Röntgen überreicht. Damit ist der Weg von Wipperfürth nach Europa frei. 1989 konnte groß das Richtfest für eine neue Halle der Segelflieger gefeiert werden. Es konnten Vertreter des zuständigen Ministeriums Düsseldorf, des Staatshochbauamtes, des Kreises, der Stadt sowie der am Bau beteiligten Firmen als Ehrengäste begrüßt werden. In den Monaten April – Mai 1989 fand eine Lärmmessung aller startenden Flugzeuge Richtung Westen durch das Landesimmissionsschutzamt Essen statt. Das Ergeb­nis brachte ein tragbares Miteinander. 1990 wurde das 60-jährige Vereins­jubiläum gefeiert. Der Jubiläumsfliegerball fand am 3. November in der Mühlenberghalle mit der Günter Noris Big-Band statt.

2016 besteht der Flugplatz 60 Jahre.