Thema: „Vermeidung von Zusammenstößen“

26.04.2015

Leider hat es in den letzten Wochen 3 (drei!!!)  Beinahe-Zusammenstöße in unserer Platzrunde gegeben!
Es geht im Folgenden nicht darum, Schuldige anzuprangern sondern die Informationen sollen uns Allen helfen, solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden.

Fall 1)

Ein Doppelsitzer startet an der Winde. Während des Schlepps bemerkt der vorne sitzende Scheinpilot in etwa 250m Höhe eine Ka8, welche quer zur Schlepprichtung den Flugplatz überfliegt. Nur durch starkes Nachdrücken und Ausklinken kann der Zusammenstoß vermieden werden. Der Ka8 Pilot hat den Doppelsitzer gar nicht oder erst sehr spät gesehen!

Ursachen:

·         Ka8 Pilot: Er überfliegt den Flugplatz trotz aktivem Windenbetrieb in einer Höhe unter 600m

·         Startleiter, Windenfahrer, Doppelsitzerpiloten: bei besserer Luftraumbeobachtung vor dem Start hätte die in den Windenstartbereich einfliegende Ka8 gesehen werden müssen

·         Verein: in der Ka8 ist kein Flarm (Zusammenstoßwarngerät) installiert. Unklar ist, ob die Geräte in diesem Fall hätten warnen können.

Maßnahmen zur Vermeidung:

·         Ein an der Winde startklares Segelflugzeug meldet: „<Kurzkennzeichen zB 90> an der Winde startklar“

·         unterbleibt die obige Meldung, kündigt der Startleiter den Windenstart per Funk an: „Wipperfürth-Segelflug: Wir machen einen Windenstart“ (zwei Funkmeldungen sind nicht nötig)
Ist der Flugweg eines in der Nähe fliegenden Flugzeugs nicht einschätzbar, wird abgewartet, bis der Luftraum eindeutig frei ist.

·        Das Kommando des Startleiters an den Windenfahrer: „<Flugzeug x> am Hallen/Wald-Seil startklar, Seil anziehen“   wird ersetzt durch „<Flugzeug x> am Hallen/Waldseil startklar, Schleppstrecke und Luftraum frei, Seil anziehen“
(dabei müssen natürlich von Startleiter und danach Windenfahrer die Schleppstrecke und der Luftraum über dem Platz und ca. 500m südlich/nördlich gecheckt werden!)

·         Allen Piloten, aus Segelflug- und Motorflug, wird hiermit nochmals die Einhaltung der Mindest-Überflughöhe von 600m GND in Erinnerung gerufen (dies gilt genauso im Fliegerlager oder beim Segel-/Motor-Überlandflug über fremden Plätzen)

·         In der Ka8 wird kurzfristig ein Flarm nachgerüstet

Fall 2)

Eine ASK21 kreist spätnachmittags in der Platzrunde. Eine Ka8 kommt aus östlicher Richtung und fliegt frontal der 21 entgegen. Nur durch Ausweichen kann der Fluglehrer in der 21 den Zusammenstoß verhindern. Der Ka8 Pilot gibt später an, durch die Sonne geblendet worden zu sein und die 21 nicht gesehen zu haben.

Ursachen:

·         Ka8 Pilot: Er hat den Luftraum nicht ausreichend beobachtet. Die in der Platzrunde befindliche 21 hätte er schon früher registrieren können.

·       Wetter, Tageszeit: Die tiefstehende Sonne blendet den Piloten

·         Verein: in der Ka8 ist kein Flarm (Zusammenstoßwarngerät) installiert

Maßnahmen:

·         Alle Piloten, Segelflug- und Motorflug müssen ständig den Luftraum um sich herum im Auge behalten. Eine Ablenkung oder Blendung kann andere Flugzeuge unbemerkt in die Nähe kommen lassen. Passiert dies beiden Piloten oder ist evtl. der Sichtwinkel für einen Piloten ungünstig, wird es schnell sehr gefährlich

·         In der Ka8 wird kurzfristig ein Flarm nachgerüstet

Fall 3)

Zunächst sind 2 Motorflugzeuge im Anflug auf die 28. Das zweite holt im Queranflug noch etwas nach Osten aus, um den Abstand zum im Endanflug befindlichen Flugzeug zu vergrößern. Es meldet sich ein 3. Flugzeug im Queranflug. Als das 2. Flugzeug im Endteil über dem Sportplatz ist, kommt das 3. Flugzeug ohne Ausweichreaktion genau von 90° rechts etwas tiefer auf ihn zu. Der Pilot des 2. Flugzeugs zieht nach links oben weg. Der Pilot des 3. Flugzeugs gibt später an, nur das landende 1. Flugzeug gesehen zu haben.

Ursachen:

·         3. Pilot: Er hat den Luftraum/(Endanflug links von ihm) nicht ausreichend beobachtet und hätte durch aufmerksames Funkabhören auch realisieren müssen, dass 2 Flugzeuge vor ihm fliegen. Nach Sichtkontakt (3)>(2) hätte 3 ebenfalls nach Osten ausholen müssen um Sicherabstand zu (2) aufzubauen.

·         Gefahr!: Unterschiedliche Anflughöhen hätten in diesem Fall noch zu dem gefürchteten Übereinanderfliegen führen können, bei dem beide Piloten wenig Chance haben sich gegenseitig zu sehen (tödlicher Unfall u.a. vom Kunstflieger Strössenreuter)

·         Ein in der Nähe erkanntes anderes Flugzeug lässt den Blick darauf verharren und täuscht dem Unterbewusstsein vor, dies sei die einzige Gefahr. Andere Flugzeuge werden nicht mehr wahrgenommen.

Maßnahmen:

·         Piloten mit (Funk-)Überblick melden sich in der Landephase direkt mit „Nummer 2 hinter der <xx>“ oder „Nummer 3 hinter <xx>“. Dann wissen alle Beteiligten, dass man über die Verkehrssituation im Bilde ist.

·        Die Platzrundenhöhe in EDKN bis zum Eindrehen in das Endteil ist für alle motorgetriebenen Luftfahrzeuge 2000ft MSL!  So ist anderer Verkehr in Horizonthöhe besser auszumachen. Achtung: Natürlich könnten fremde/eigene auch höher/tiefer fliegen. Daher IMMER! erhöhte Aufmerksamkeit in der Platzrunde!

·         Nachtrag aus 6-2015: Wenn die Motorflugpiloten „D-xx Eindrehen in “ Quer-/Endanflug zur 28 / 10 melden, können Andere die Position noch besser einschätzen.

·         Wenn die Gefährdung durch ein zuerst erkanntes Flugzeug ausgeschlossen werden kann, sofort die Luftraumbeobachtung, auch in andere Richtungen, fortsetzen.

Flugsicherheitsmitteilung zum Thema

Der Fly-Safe-Newsletter ist ein Newsletter des EDKN-Sicherheitsteams. 
Er soll das jährliche Briefing ergänzen und Themen aus Fluglehrerfortbildungen, Zeitschriften und Flugsicherheitsmitteilungen den Piloten bekanntmachen oder in Erinnerung rufen und aktuelle Vorfälle aufgreifen
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